Vom Anfang aller Zeiten...

Ich möchte mich hier erst einmal kurz vorstellen: 
Mein Name ist Heinz Schulz, ich lebe in Frankfurt am Main und bin momentan 64 Jahre alt. Ich bin ganz fest verheiratet und habe zwei mittlerweile erwachsene Kinder (O Gott, wo st die Zeit geblieben....).

Ich bin Beamter aus Leidenschaft und gehe einer geregelten Beschäftigung bei der Stadtverwaltung Frankfurt nach.

Das Licht der Welt erblickte mich an einem, wie man mir sagte, sehr heißen Tag im Mai 1953 und mit Radiohören hatte ich erst mal nichts am Hut. (Wenn man sich das nebenstehende Bild aus meinen frühesten Kindertagen jedoch etwas kritischer anschaut, können da allerdings leichte Zweifel aufkommen....) 

Aus meiner kindlichen Erinnerung weiß ich nur noch soviel, dass, während die Mutter in der Küche werkelte, pausenlos das Radio spielte und ich quasi mit den Tönen des Hessischen Rundfunks aufwuchs. Vielleicht prägen solche Erlebnisse ja wirklich die späteren Interessen und Neigungen. Auf meine Berufswahl hat es seltsamerweise keinen Einfluss gehabt.

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Das "Abenteuer DX" begann damit, dass ich mit 13 Jahren ein Kofferradio geschenkt bekam, mit dem ich UKW und Mittelwelle hören konnte. Und wie es so ist: man probiert aus, was so ein Kasten hergibt. Natürlich war ich damals in erster Linie daran interessiert, meine Lieblingsmusik zu hören. Ich fand aber relativ schnell heraus, dass die heimischen Radiostationen (außer AFN) so gut wie überhaupt nichts für die Beat-Generation brachten, weshalb ich mir die Mittelwelle vornahm und zunächst feststellen musste, dass es da auch nicht besser aussah. Aber hier brachten wenigstens Radio Luxemburg und die Europawelle Saar ab und zu was poppiges neben all´ der "Unterhaltungsmusik". Man war ja bescheiden!
Irgendwann aber, nach des Tages mühseliger Wellenjagd, stolperte ich kurz vor dem "Zapfenstreich" über die fetzigen Sounds der englischen Piratensender, wie Radio London oder Radio Caroline. Mit viel Rauschen und Pfeifen hörte ich hier fortan meine Lieblingssounds! Die Geräusche störten nicht weiter - Hauptsache die Musik war Spitze! Als dann fast alle Piratensender aufgrund internationaler Verbotsverfügungen ihren Betrieb einstellen mussten, wich ich notgedrungen auf das englische Programm von Radio Luxemburg aus und fand da zu meiner großen Freude einige DJ´s aus Piratenzeiten wieder. So hielt sich die Trauer über den Verlust meiner geliebten Piratensender in Grenzen (Radio Caroline war ja auch noch eine Zeitlang da...) und mit der Zeit entdeckte ich, dass es auf MW noch mehr zu hören gab....

Irgendwann gab mein Kofferradio seinen Geist auf. Ich bedauere das noch jetzt, da die Empfangseigenschaften dieses Apparates auf MW einfach Klasse waren! Nach langer Suche im Netz habe ich nun endlich ein Bild eines baugleichen Gerätes gefunden und freue mich, euch hier zeigen zu können, mit welchem Empfänger meine "Karriere" als DXer begann.  

Da sich meine Eltern zu dieser Zeit die erste Stereoanlage zulegten und unser altes Röhrenradio dafür der Vernichtung anheim fallen sollte, setzte ich alles daran, dass dieses Gerät in meinen Besitz kam. Mit Erfolg! Immer wieder, meistens nach dem Abendessen, saß ich jetzt noch für ein bis zwei Stündchen vor diesem großen Kasten, studierte die Ortsbezeichnungen auf der Mittelwellen-Skala und war erstaunt, wie viel von diesen Orten auch tatsächlich zu hören waren (und das manchmal sogar ohne größere Nebengeräusche!). Noch mehr aber staunte ich, als ich dann irgendwann meinen Eltern die Leistungsfähigkeit ihres ehemaligen Heimsupers vorführen wollte und am Tage NICHTS mehr von all diesen wunderbar fremdartigen Tönen zu hören war. Peinlich!! Gemeinerweise war abends dann alles wieder zu hören, aber noch mal wollte ich mich nicht blamieren... Mit ein wenig Ursachenforschung kam ich diesem Phänomen auf die Schliche und befasste mich von da an intensiver mit dieser Materie. Fernempfang wurde so, ohne dass ich es richtig merkte, zu meinem neuen Hobby. Ich habe später auch die Kurzwelle regelmäßig durchforstet, zumal dort auch am Tage viele weit entfernte Stationen zu hören waren. Stolz darauf, in Frankfurt am Main ein Programm von Radio Peking hören zu können, schrieb ich einfach mal dorthin und bekam so im Jahr 1968 meine erste QSL-Karte (Das erhält man von Sendestationen, wenn man ihnen Empfangsberichte zusendet, quasi als kleines Dankeschön). Das war schon ganz schön aufregend.

Trotzdem ist die Mittelwelle (und natürlich auch die Langwelle) mein bevorzugtes "Revier" geblieben und mit den heute gebräuchlichen Weltempfängern, die man in vernünftiger Ausstattung schon ab ca. 100 - 150 € kaufen kann, sind in den Wintermonaten schon mal am späten Nachmittag die Sender aus Saudi-Arabien, dem Iran und sogar Indien laut und deutlich zu vernehmen.

Übrigens, mein alter Röhrenempfänger (Grundig 5077) lebt heute noch und trotz zunehmender Altersbeschwerden wird er immer wieder mal gerne eingeschaltet.

Das isser! (zum Vergrößern aufs Bild klicken)