Sangean ATS-909

Das Spitzengerät des Weltmarktführers für Reisenkurzwellenempfänger ist der ATS-909. Zu den Ausstattungsbesonderheiten gehören unter anderem: 306 Speicherplätze mit alphanumerischer Anzeige des Sendernamens, SSB-Empfang (für Amateurfunk), schaltbare Bandbreite für mehr Trennschärfe, RDS-Empfang auf UKW und UKW-Stereoempfang über Kopfhörer. (...so der Werbetext)

Ich wollte es genau wissen und habe mir das Wunderding gekauft - Hier mein                         Erfahrungsbericht:

Das Gerät:
Der AM-Empfangsbereich (LW/MW/KW) umfasst die gesamte Bandbreite von 153 - 29.999 kHz. Er kann auf USB/LSB-Empfang umgeschaltet werden, was z.B. für den Empfang von Amateurfunk-Stationen sehr nützlich ist. Auf UKW ist der übliche Bereich von 87,5 -108,0 MHz empfangbar. Zusätzlich ist hier ein RDS-Empfänger eingebaut. Neben den festen Frequenzrastern (9 kHz bei Lang- und Mittelwelle; 5 kHz bei Kurzwelle) kann man bei LW und MW Feinabstimmschritte zwischen 1 kHz und 9 kHz vornehmen; auf KW bewegen sich diese Schritte zwischen 1 kHz und 5 kHz. Für den Empfang in Übersee (amerikanischer Doppelkontinent) lässt sich das MW-Band auf das dort übliche 10 kHz-Raster umschalten. Beim Sangean ATS 909 sind jeweils 18 Stationen auf MW und UKW abspeicherbar; 9 auf LW und auf KW 29 x 9 Stationen, ergo 261 (Gesamt: 306) Programmplätze. Jede der 29 KW-Seiten kann man einer Station zuordnen und dort alle von diesem Sender benutzen Frequenzen ablegen. Wenn man dann die entsprechende Seite abruft, sucht sich der Empfänger automatisch die am stärksten einfallende Frequenz. Außerdem erkennt das Gerät, ob die Frequenz während des letzten Gebrauchs im USB/LSB-Modus gehört wurde und stellt auch dies wieder automatisch ein.

Ausser der obligatorischen Teleskopantenne ist im Lieferumfang eine Langdrahtantenne enthalten, die für den KW-Empfang auch benutzt werden sollte! Für MW/LW sorgt die im Gerät integrierte Ferrit-Antenne für optimalen Empfang. Diese ist allerdings nur dann aktiv, wenn keine anderen externen Antennen am Apparat angeschlossen sind! Ein Kopfhöreranschluss, über den man mit den ebenfalls mitgelieferten Ohrhörern UKW-Signale in Stereoqualität hören kann ist ebenso vorhanden, wie ein LINE-IN/OUT Ausgang. Hat man eine Frequenz eingestellt, kann man durch Umstellen auf Feinabstimmung sogar schwach einfallende Signale empfangen. Die Frequenz lässt sich über die Zehnertastatur eingeben, es geht aber auch über den Drehknopf bzw. die Auf- und Ab- Tasten. Eine Weckfunktion ist dem Empfänger genauso integriert, wie die Möglichkeit, die Zeit von 42 verschiedenen Orten per Knopfdruck einzustellen (wer´s braucht!). Auch die Umstellung von Normal- auf Sommerzeit ist kinderleicht zu bewerkstelligen. Im Lieferumfang ist -last, but not least- ein Netzteil enthalten, das automatisch die Netzspannung erkennt ( ! ).

Der ganze Spaß kostet um die 200 € und das ist der Sangean ATS-909 auch wert. Man bekommt hier für sein Geld eine Menge geboten.

Das Testurteil:
Die vielen Tasten und Drehknöpfe haben mich am Anfang leicht verwirrt, aber bereits beim ersten Ausprobieren merkte ich: Es ist alles viel einfacher, als es aussieht. Die Gebrauchsanleitung konnte ich getrost zur Seite legen. Also ging ich mutig die einzelnen Wellenbereiche durch: Im UKW-Bereich ist dieser Empfänger in seiner Preisklasse unschlagbar. Für UKW-DXer entwickelt sich der Sangean ATS 909 sogar mittlerweile zum Geheimtip!! Da sich nahe beieinanderliegende Stationen jedoch bisweilen gegenseitig beeinträchtigen, wären serienmäßig schmalere Filter angebracht, aber das Gerät lässt sich leicht mit solchen Filtern modifizieren. Diese sind z. B. beim Technischen Clubdienst des ADDX erhältlich. Gerade im Rhein-Main-Gebiet ist ja die Senderdichte im FM-Bereich recht hoch! Trotzdem kommt mit dem Sangean ATS 909 auch ohne Zusatzfilter in Frankfurt WDR 2 auf 92.3 MHz (Sender Wittgenstein) weitgehend störungsfrei neben DLF Köln 92.4 MHz (Sender Hanau) herein, sodass auch dieses Manko nicht sonderlich ins Gewicht fällt.
Auf LW/MW liefert der Sangean sehr gute Ergebnisse, was mir als MW-DXer natürlich besonders gut schmeckt! Mit meinem Vorgängergerät, dem SONY ICF-7600 DS, bekam ich z.B. die holländischen Piratenstationen fast überhaupt nicht herein! Beim Sangean habe ich hier die Vorteile der oben erwähnten Feinabstimmung schätzen gelernt, da sich AM-Piraten nun mal nicht immer an das offizielle Frequenzraster halten. Die KW-Empfangseigenschaften des Sangean sind natürlich auch hervorragend; auch hier können Stationen, die zwischen dem regulären 5-kHz-Raster senden, per Feinabstimmung exakt eingestellt werden. Da die Seitenbänder bei Bedarf getrennt empfangbar sind, werden Amateurfunkstationen und andere im SSB-Modus sendende Dienste problemlos hörbar. Das macht Lust, künftig öfter mal per KW auf Entdeckungsreise zu gehen!!

Modifikationen beim SANGEAN ATS 909
Wenn man weiß, daß man ein gutes Gerät noch besser machen kann, will man natürlich auch das Beste für seinen Sangean. Ich erfuhr, dass Jürgen Martens aus Eningen Modifikationen beim ATS 909 zu erschwinglichen Preisen vornimmt und sandte mein Gerät zu ihm. Ich wollte einen Vorverstärker für die LW/MW-Ferritantenne, einen Vorverstärker für die Teleskopantenne (für KW-Empfang), schmalere Filter für UKW und eine hellere Displaybeleuchtung. Schon vier Arbeitstage später hatte ich mein Gerät wieder...

Gespannt durchforstete ich den LW/MW-Bereich und stellte schnell fest, daß viele Stationen, die sich zuvor tagsüber nur erahnen ließen, nun wesentlich deutlicher aufgenommen werden konnten. Auch nach Einbruch der Dunkelheit hat sich das gewohnte Empfangsverhaltnis geändert: Gegenseitige Störungen von Sendern auf gleichen Frequenzen lassen sich, da die Ferritantenne jetzt um einiges empfindlicher geworden ist, durch Drehung des Gerätes noch besser ausblenden. Auf Langwelle verspürte ich auf den ersten Blick eher eine Verschlechterung des Empfangsbildes, was sich aber bald ändern sollte: Auf 189 kHz war jetzt RAI 1 aus Caltanissetta (Sizilien/10 kW!!) am späten Nachmittag klar und deutlich zu hören. Auch Rikisutvarpid aus Reykjavik, sonst noch nicht mal in Norddeutschland hereinzubekommen, ist jetzt bei günstigen Bedingungen bei mir zu empfangen.
Einen Wermutstropfen hat die Sache allerdings: Der Vorverstärker bringt leider auch die in der Großstadt allgegenwärtigen Störnebel entsprechend stärker herein und die in Frankfurt vertretenen Großsender von HR und AFN produzieren massenhaft Spiegelfrequenzen. Hier treten die Schwächen des ATS 909 in Sachen Großsignalfestigkeit offen zutage. Man muss sich mehr denn je einen Standort suchen, der möglichst unbelastet von solchen Störnebeln ist, was in der Großstadt nicht so einfach ist. Auch der Abschwächer hilft da nur begrenzt. Aber dies hat Jürgen Martens zuvor schon eingeräumt und ich war darauf vorbereitet. Befindet man sich aber etwas weiter entfernt von solchen Großsendern kann man die Vorteile des Vorverstärkes wunderbar ausnutzen und hat ein völlig anderes Hörgefühl. Für MW-DX zuhause nutze ich ohnehin andere Empfänger.

Der Vorverstärker für die Teleskopantenne bringt eindeutige Vorteile im KW-Empfang; gerade wichtig für Leute wie mich, die aus Platzgründen auf Zusatzantennen verzichten müssen. Und: Die durch ihre Länge doch sehr empfindliche Teleskopantenne des ATS 909 muß nun nicht mehr bis zum Anschlag herausgezogen werden, um ungetrübten Kurzwellenempfang zu genießen.

Der 110-kHz-Filter für UKW interessierte mich natürlich auch. Ich habe mich immer ein wenig geärgert, daß die UKW-Platzhirsche weit über ihre eigentliche QRG hinaus, alles in unmittelbarer Nachbarschaft platt machen. So konnte ich bislang z.B. wegen hr-xxl (90,4 MHz) den benachbarten hr1-Sender Hardberg auf 90,6 MHz überhaupt nicht hören! WDR 2 auf 92,3 MHz wurde durch den DLF-Sender Hanau auf 92,4 auch sehr stark gestört. Das ist jetzt vorbei! In diesen beiden Fällen herrscht nun die friedliche Koexistenz ohne weitere Störungen und auch bislang nicht hörbare Stationen sind nun ohne Schwierigkeiten zu empfangen. Respekt, Herr Martens!

Fazit:
Alle diese Modifikationen sind ihr Geld wert!  Wohnt man in etwas größerem Abstand zu Lang- und Mittelwellenstationen alsich, ist auch der Vorverstärker für die Ferritantenne dringend zu empfehlen.

Gleiches gilt auch für den KW-Empfang, wobei Störsignale hier nicht so sehr das Problem sind. Ich war bisher immer auch etwas zu bequem, die Langdrahtantenne im Zimmer zu spannen, was ich jetzt auch getrost bleiben lassen kann. Kurzwelle wird bei mir jetzt öfter auf dem DX-Menu stehen.

Der Empfang auf UKW ist durch den 110-kHz-Filter noch komfortabler geworden. Ist der ATS 909 in seiner Grundversion schon zum Geheimtip für UKW-DXer geworden, so müsste die modifizierte Version eigentlich jedem FM-Freak die Freudentränen in die Augen treiben!

Die hellere Display-Beleuchtung ist zwar nicht unbedingt überlebenswichtig, aber sie schafft einen besseren Kontrast und ist besonders für sehbehinderte Radiofreunde zu empfehlen.

Wer einen leistungsstarken und portablen Weltempfänger will, ist mit dem Sangean ATS 909 gut bedient. Wenn man darüber hinaus kritisch nach den Preisen schielt, sollte man sich gleich ein modifiziertes Gerät anschaffen. Nimmt man die Preisliste von Jürgen Martens und rechnet die Kosten für Gerät und die einzelnen Modifikations-Komponenten zusammen, liegt man nur ein paar € über dem Preis, den man bei denen, die Geiz geil finden, für den ATS 909 (natürlich ohne Extras!) hinblättern muss. Und Jürgen Martens fertigt individuell nach Hörerwunsch an.

 

Nachtrag vom Juli 2009:

Den Bericht schrieb ich in den Jahren 2002 und 2003. Mittlerweile gibt es auf dem Markt, was portable Weltempfänger angeht, Geräte, die a) handlicher, b) preiswerter und c) empfangsstärker sind. Wer sich trotzdem für den ATS 909 entscheidet, den es immer noch zu kaufen gibt, sollte folgende Punkte beachten: